Warum wir uns nicht zu viele Ziele setzen sollten

Das neue Jahr lädt gerne dazu ein, sich Vorsätze und neue Ziele zu überlegen. Die meisten Vorsätze zielen auf eine bessere Gesundheit, indem man mit dem Rauchen aufhören will, mehr Sport treiben will und sich gesünder ernähren will, da sich vielleicht doch das ein oder andere Zusatzpfündchen angesammelt hat. Dazu kommen dann noch weitere Ziele für das Arbeitsleben, die Familie, die Freunde, das Hobby, die Finanzen, die Partnerschaft und vieles mehr. Denn, wir wollen schließlich das ultimative Leben führen.

Anfang des Jahres sind wir dann so motiviert alles umzusetzen und starten von 0 auf 1000 und krempeln unser gesamtes Leben um.

„Sobald entschieden ist, dass etwas gemacht werden kann und soll, werden wir auch einen Weg dazu finden.“-Abraham Lincoln

Doch nach kurzer Zeit merken wir, dass irgendwie gar nichts mehr geht. Wir sind nur noch müde, geschlaucht und der Kopf ist so vollgestopft, dass wir nicht mehr wissen, wer wir sind, was wir wollen und was wir eigentlich tun sollten. Und selbst wenn wir eigentlich wissen, was wir machen sollten, schleicht sich die Aufschieberitis ein, um uns vor dem Burn-out zu bewahren. So gehen wir dann doch nicht mehr zum Sport, die Schokolade lockt dann doch wieder mehr als das Obst und die Motivation für alle anderen Ziele neigt sich auch langsam gegen 0. Und irgendwann erkennen wir, dass wir doch wieder in den alten Gewohnheiten festsitzen.

Unsere Gewohnheiten sind so eine Sache. Sie laufen meistens automatisiert in uns ab. Wir denken nicht mehr über sie nach bzw. wissen teilweise nicht einmal, welches Programm gerade in uns abläuft, weil der Autopilot in unserem Kopf gerade das Steuer übernommen hat. Daher ist es relativ schwer eine alte Gewohnheit in eine neue Gewohnheit umzuwandeln. Die neue Gewohnheit muss so oft wiederholt werden, dass sie in diesen Automatismus geht. Dabei kann keiner so genau sagen, wie oft etwas wiederholt werden muss – auch die Studien sind sich da nicht ganz einig. Die einen behaupten 21 Tage lang, die anderen reden von einem Monat, ganz andere reden von noch längeren Zeiträumen.

Die Etablierung von neuen Gewohnheiten dauert so individuell, wie jeder einzelne von uns ist. Es kommt nämlich darauf an, wie lange die alte Gewohnheit im Autopilot gelebt wurde, wie wir die neue Gewohnheit erleben – ob wir fühlen, dass die neue Gewohnheit uns gut tut oder ob es ein ständiger Kampf in der Umsetzung ist – dementsprechend oft oder selten grätscht uns unsere alte Gewohnheit dazwischen. Wie man merkt, ist es nicht gerade einfach Altes mit Neuem zu überschreiben, denn Geduld und Achtsamkeit sind unter anderem die Schlüssel zum erfolgreichen Umsetzen von Vorsätzen und Zielen.

Und jetzt? Der Kopf raucht längst und ich weiß nicht, wie ich alles auf die Reihe bekomme. Was mache ich mit meinen 1000 Zielen, die mir irgendwie alle wichtig sind?

Das Wichtigste ist jetzt erst einmal Klarheit zu bekommen.

  1. Nimm dir Stift und Papier und schreibe alle deine Ziele und Vorsätze auf.
  2. Dahinter schreibst du zu jedem Ziel, warum du das Ziel unbedingt erreichen willst, welchen Mehrwert es dir bringt, wenn du es erreichst.
  3. Durch das niederschreiben deiner jeweiligen Warum-Gründe hast du sicherlich gemerkt, welche Ziele dir wirklich wichtig sind. Markiere die wichtigsten in rot.
  4. Ziele, die du recht leicht und schnell umsetzen kannst ohne viel Aufwand, markierst du zusätzlich in grün.
  5. Jetzt nimmst du ein weiteres Blatt Papier und schreibst alle deine Verpflichtungen auf, von Arbeit bis hin zu Ehrenamtlichen Tätigkeiten über Familienverpflichtungen usw.
  6. Schreibe auch hier deine jeweiligen Gründe, warum du das machst.
  7. Markiere wichtige Verpflichtungen in rot und „unwichtige“ oder delegierbare Verpflichtungen in grün.

Was uns diese Listen bringen? Klarheit! Klarheit darüber, was wir wirklich wollen und müssen und Klarheit darüber, welche Ziele nicht so wichtig für uns sind oder welche Verpflichtungen wir abgeben können und so mehr Zeit für Wichtiges bekommen.

Als nächstes ist die Planung wichtig. Dazu nehmen wir am besten unseren Terminkalender zur Hand.

  1. Schreibe alle Verpflichtungen in deinen Terminkalender, die du machen musst.
  2. Schau dir nun an, wie viel Zeit für die Umsetzung deiner Ziele bleibt. Meist merken wir bereits hier, dass uns nicht allzu viel Zeit für die Umsetzung der Ziele bleibt.
  3. Verteile deine Ziele über das Jahr. Beispielsweise fängst du mit der Ernährungsumstellung im Februar an, d. h. du setzt deinen Fokus im Februar auf die Ernährung inkl. genug Zeit für die Etablierung der neuen Gewohnheiten rund um das Thema. Zusätzlich willst du im März mit dem Sport beginnen – also trägst du im März das Ziel Sport ein. Du weißt dann bereits, wie viel Zeit die gesunde Ernährung in Anspruch nimmt und kannst dementsprechend deinen Sport so einplanen, wann du wirklich zum Sport kannst ohne in Zeitstress zu geraten. So setzt du für jeden Monat oder für jedes Quartal ein Ziel ein. Deine schnell umsetzbaren Ziele, wie beispielsweise Städtetrips kannst du quer im Kalender als sogenannte „Quick-Wins“ eintragen und bereits jetzt planen und buchen.

Die Klarheit und die Planung sind nun die halbe Miete. Für die erfolgreiche Umsetzung sind die Grundpfeiler gelegt. Nun kommt es jedoch auch auf deine Ausdauer und deine Achtsamkeit an. Denn, ohne die dauerhafte Umsetzung und die damit verbundene Geduld, kann sich keine neue Gewohnheit etablieren. Die Achtsamkeit ist wichtig, dass nicht die alte Gewohnheit wieder hoch kommt bzw. dass man merkt, wenn sie versucht im Autopilot das Ungewohnte zu verdrängen und man aktiv gegensteuern kann.

Im Finnischen gibt es das kleine schöne Wort „Sisu“, was so viel bedeutet wie „Wer sich nicht unterkriegen lässt und trotz aller Widerstände seinen Weg fortsetzt“, wobei dieses Wort nicht nur für Personen sondern als ganze Lebenseinstellung genutzt wird.


Fazit: 
Das Problem sind nicht die Ziele, sondern unsere Ungeduld. Wir wollen immer alles jetzt und sofort. Jedoch gut geplant und strukturiert, erreichen wir über das Jahr verteilt wesentlich mehr und fühlen uns nicht komplett überladen. Wir gehen einfach einen Schritt nach dem anderen, ersetzen dementsprechend sukzessive eine alte Gewohnheit gegen eine Neue und erreichen so nachhaltig unsere Ziele.

Es ist nicht von Bedeutung, wie langsam du gehst, solange du nicht stehenbleibst.
- Konfuzius -


Liebe Grüße


Yvonne


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