Perfektionismus – die Angst, nicht gut genug zu sein

Von außen betrachtet, scheinen Perfektionisten die besten Menschen zu sein. Sie bekommen irgendwie immer alles auf die Reihe. Sie haben Haus, Hof, Hund und Kind, machen die steilsten Karrieren, haben den schönsten Körper und man hört sie nie jammern.

Doch der Schein trügt.

Perfektionisten bekommen zwar alles hin, aber der Preis dafür ist hoch. Sehr hoch sogar!

Um das Bild des perfekten Arbeitnehmers, Partners, Elternteils oder welche Rolle auch immer sie einnehmen, zu bekommen, betreiben sie sehr viel Aufwand. So viel, dass sie irgendwann mit Burnout, Depression oder Angststörungen zusammen brechen.

Um nicht missverstanden zu werden. Ich rede hier von echten Perfektionisten, die nur schwerlich mit der eigenen Leistung zufrieden sind und nicht von Menschen, die einfach nur in gewissen Lebensbereichen ambitionierte Ziele haben und diese auch erreichen wollen. Ambitionierte Menschen können beispielsweise die Balance halten zwischen Arbeit und Entspannung und sind mit ihren guten Ergebnissen zufrieden.

Psychologisch betrachtet, neigen Perfektionisten entweder zu narzisstischen Zügen, wie beispielsweise der Workaholic oder haben sogar zwanghafte Tendenzen sehr pedantisch oder ordentlich zu sein.

Der Workaholic braucht die Anerkennung durch seine Leistung, daher will er immer ein bisschen besser sein als alle anderen. Er jagt ein Ziel nach dem anderen ohne auch irgendwann wirklich anzukommen. Er fühlt sich nur unter Stress wohl.

Menschen mit zwanghaften Tendenzen müssen sich immer „konform“ präsentieren. Immer der Norm entsprechend und ohne Fehler. Sie kontrollieren sich und das Verhalten anderer. Alles muss berechenbar sein, sodass sie immer wissen, wie sie sich zu verhalten haben.

Doch woher kommt dieser Zwang, alles richtig machen zu müssen?

Die Erziehung ist leider oft die Ursache. Auch wenn die Eltern meist mit bestem Wissen und Gewissen an die Kindeserziehung herangegangen sind, kommt doch manchmal etwas anderes bei den Kindern an.

Wenn ein Kind beispielsweise nur gelobt wird, wenn es Leistung erbracht hat oder bestraft wird, weil es sich nicht ordentlich verhalten hat, kann das bereits der ursprüngliche Trigger zu perfektionistischem Verhalten als Erwachsener sein.

Denn, was bleibt denn wirklich bei den Kindern im Hinterstübchen hängen?

„Meine Mama liebt mich, wenn ich gute Noten mit nach Hause bringe. Meist bekomme ich danach noch ein leckeres Eis. Wenn ich schlechte Noten nach Hause bringe, dann schimpft sie mit mir, weil ich nix kann und ich bin traurig!“

Egal, wie man es als Elternteil macht - irgendwas ist immer falsch! Denn wie sollte man es denn auch richtig machen? Wir Eltern können leider nicht beeinflussen, was genau von allem bei den Kindern hängen bleibt. Oftmals kennen wir unsere eigenen ursprünglichen Trigger nicht einmal, da wir uns darüber noch keine Gedanken gemacht haben oder nicht wissen, welche Konsequenzen sie für uns und unsere Lieben haben können.

Also erstmal den Fokus zurück auf sich und sein Leben und sich folgende Fragen stellen und natürlich ehrlich beantworten:

  1. sind meine Ansprüche an mich und meine Leistung zu hoch oder passt das?
  2. erkenne ich, wenn mein Körper Ruhephasen benötigt und nehme sie mir oder „ackere“ ich stetig weiter?
  3. kann ich Dinge auch einfach mal stehen und liegen lassen, auch wenn sie noch nicht fertig sind?
  4. lebe ich authentisch und mache dementsprechend Fehler oder schwimme ich grundsätzlich mit dem Strom?

Falls du beim beantworten der Fragen festgestellt hast, dass du zumindest ansatzweise ungesunden Perfektionismus lebst, dann habe ich folgende kleine Übung für dich:

Lass den Perfektionismus in kleinen Schritten Stück für Stück los. Beispiele:

  • setze deine Ansprüche sukzessive herab. Schreib den Bericht nicht bis er reif für den Pulitzer-Preis ist, sondern einfach nach einer Zeitvorgabe
  • wenn Besuch kommt, sauge einfach nur deine 4-Wände anstatt einen ganzen Frühjahrsputz zu veranstalten
  • gönne dir einfach mal einen Tag an dem was liegen bleibt und du stattdessen in die Sauna gehst
  • spiele das Worst-Case-Szenario in deinem Kopf durch, wenn du einen Fehler machen solltest. Was davon ist wirklich realistisch?


Fazit:

Die Perfektionismus-Falle schnappt immer dann zu, wenn wir einen besonders guten Eindruck hinterlassen wollen. Wir versuchen unsere Unsicherheiten und Ängste zu widerlegen, indem wir viel zu viel Mühe dafür aufwenden, einen besonders kompetenten Eindruck bei anderen zu hinterlassen. Das Quäntchen extra, dass unsere Angst „nicht gut genug zu sein“ verschwinden lassen soll und uns Sicherheit durch die Anerkennung anderer geben soll. Doch ist es oft nicht völlig ausreichend etwas Gutes abzuliefern? Wir Menschen sind alle nicht perfekt und machen alle Fehler. Wir sollten das akzeptieren - bei uns und bei anderen!
Vor allem sollten wir Fehler nicht als Problem sehen, sondern als Chance uns zu entwickeln und daraus zu lernen!


Was denkst du darüber? Schreib mir in die Kommentare.

Liebe Grüße


Yvonne

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