Warum uns Erwartungen enttäuschen

Sie sind einfach da - Erwartungen!

„Fordere viel von dir selbst, erwarte wenig von anderen, dann wird dir viel Ärger erspart bleiben“ - Konfuzius

Manchmal kommen sie uns bewusst in den Sinn, aber oftmals bleiben sie im Unbewussten und wir spüren lediglich die Enttäuschung, die sie auslösen.

Doch was sind denn Erwartungen und wo kommen sie her?

Per Definition sind Erwartungen die Annahme von zukünftigen Ereignissen oder zukünftigem Verhalten. Doch woher wissen wir vermeintlich, was in der Zukunft geschieht? Wir haben ja schließlich keine eingebaute Glaskugel in uns, die uns das verrät!

Nein, Erwartungen entstehen in jedem von uns durch unsere gesammelten Erfahrungen und unsere persönlichen Werte. Wir schließen von uns und damit unseren Gedankenverläufen sowie unseren potenziellen Reaktionsmustern, auf alle anderen Menschen.

Die Problematik dabei ist, dass kein anderer unseren Weg in unseren Schuhen gelaufen ist und jeder Mensch andere Erfahrungen, Prioritäten sowie Werte und eine andere Erziehung erlebt hat. Natürlich gibt es auch noch die gesellschaftlich geprägten Erwartungen, die stillschweigend „hingenommen“ werden, da „sich das ja so gehört!“. So pilgern beispielsweise Millionen Männer und Frauen am Valentinstag zum Floristen und kaufen für den/die Liebste Blumen oder andere vermeintliche „Liebesbeweise“. Es wird ja schließlich erwartet!

  • Wir erwarten generell ziemlich viel von allen möglichen Gruppierungen und Organisationen.
  • Wir erwarten, dass uns unser Schulsystem für die Zukunft richtig aufstellt.
  • Wir erwarten, dass die Politik immer die Wahrheit spricht.
  • Wir erwarten von der reichen Gesellschaft, dass sie den Hunger der Welt stillt.
  • Wir erwarten von der Wirtschaft und den Unternehmen, dass sie uns adäquat bezahlt.
  • Wir erwarten von unserem Chef, dass er uns für unsere Leistung lobt.
  • Wir erwarten von unserem Partner, dass er einem die Wünsche von den Augen abliest.
  • Wir wünschen uns von unseren Kindern, dass sie keine Arbeit machen und sich immer gesellschaftskonform präsentieren.

Und die meisten von uns erwarten von sich selbst - Nichts!

Wie man sieht, stellen wir meist wesentlich mehr Erwartungen an andere als an uns selbst. Das Positive daran ist, dass wir uns selbst so nicht wirklich enttäuschen können. Die Beispiele oben sind sehr plakativ, aber wie man unschwer erkennen kann, wurden die Erwartungen nie erfüllt. So entstehen die Enttäuschungen. Es trifft etwas nicht so ein, wie man es am Liebsten hätte.

Kennst du deine Erwartungen? Weißt du, was du von wem erwartest und könntest du das auch schriftlich zu Papier bringen? Zeit, es zu versuchen. Nimm dir Stift und Papier und schreibe alle deine Erwartungen an

  • deinen (potenziellen) Partner
  • deine Kinder
  • deine Freunde
  • deine Familie
  • deinen Chef
  • deine Kollegen
  • usw.

auf. Fange mit den wichtigsten Menschen in deinem Leben an und nutze für jeden Einzelnen ein eigenes Stück Papier. Schreibe alle Erwartungen um den Namen herum einfach auf, ohne Bewertung und gestrichen wird auch nichts. Egal, ob die Person diese Erwartung erfüllt oder nicht. Wenn dir nichts einfällt, dann kreiere dein Wunschbild á la „Wie müsste XY sein, was müsste XY tun, dass ich vollkommen zufrieden und glücklich wäre“. Wie gesagt, es wird keine Erwartung bewertet. Der Sinn dieser Übung ist nämlich, auch die unbewussten „Erwartungen“ ins Bewusstsein zu bringen.

Falls du eine Schreib- und Denkblockade bei deinen wichtigsten Menschen hast, dann mache diese Übung im großen Umfeld, wie beispielsweise der Politik, der Gesellschaft oder Ähnlichem. Hier fällt es uns meist leichter, weil wir keine emotionale Bindung dazu haben. Danach wirst du merken, dass es nun leichter fällt, die Erwartungen an das enge Umfeld zu formulieren.

Herzlichen Glückwunsch! Du hast nun wahrscheinlich ein großes Sammelsurium all deiner Erwartungen an andere und bist somit um einiges an womöglich neuer Erkenntnis reicher.

Die Kehrseite ist jedoch, dass vermutlich jeder Mensch auf deinen Listen ebenfalls sehr viele Erwartungen auf das Stück Papier schreiben würde, auf dem DEIN Name steht!

Ohje!

Jetzt ist die Frage: Weißt du, was andere von dir erwarten?

Weißt du es oder vermutest du es nur?

Meistens wissen wir es nicht. Wir vermuten es nur auf Grund unserer eigenen Wertvorstellungen, die wir auf unser Gegenüber projizieren.

Wir denken also, dass der andere Mensch genau das von uns erwartet, was wir von ihm erwarten würden, wenn wir an seiner Stelle wären!

Ziemlich kompliziert, oder?

Natürlich entwickeln wir im Laufe der Zeit ein gewisses Gespür für das Verhalten und die Denkweise von gewissen Menschen, aber letztendlich ist jede Situation und jeder Umstand doch sehr unterschiedlich. Daher kann es doch wieder zu einer falschen Interpretation kommen.

Noch eine Erkenntnis! „Wir wissen, dass wir nichts wissen“.

Und nun? Wie kann man diesem Dilemma entgehen?

Eine offene und ehrliche Kommunikation ist die Antwort! Wenn du wissen willst, was andere von dir erwarten, dann frage sie direkt. Genauso offen und ehrlich solltest du gegenüber deinen Lieben deine Erwartungen mitteilen. Denn nur, wenn beide Seiten wissen, worauf der andere Wert legt und vor allem WARUM, kann man die Erwartungen nachvollziehen und ist eher bereit sie für den anderen zu erfüllen.

Daher kommen wir wieder auf unsere Listen zurück. Überlege dir bei jeder Erwartung, warum du genau das von dieser Person erwartest. Steht es darauf, weil es „sich gehört“ oder gesellschaftlicher Standard ist oder findest du echte persönliche Gründe dazu? Du wirst vermutlich einige gesellschaftliche Standards auf deinen Listen finden, was auch völlig in Ordnung ist, wenn es auch dein Standard ist und es dir persönlich wichtig ist. Wenn du jedoch darin keinen persönlichen Grund siehst, dann streiche die Erwartung auf deinem Zettel und in deinem Kopf. Wenn du weißt, dass du in dieser Erwartung keinen wichtigen Sinn siehst, verliert sie automatisch an Relevanz.

Der letzte Schritt der Übung ist die Überprüfung der Erwartungen an andere mit dem eigenen Verhalten. Mache und lebe ich genau das, was ich vom anderen erwarte? Wie oben in den Beispielen bereits gesehen, erwarten wir von anderen meist mehr als wir bereit wären zu tun. Markiere in deinen Listen die Erwartungen, die du selbst nicht lebst und überlege dir, warum das so ist. Hier kannst du dir ebenfalls nochmal überlegen, ob du diese Erwartung vielleicht doch streichst oder aber, wenn es dir wichtig ist, was du tun kannst, um diese Erwartung selbst erfüllen zu können. Denn wir können von anderen nichts erwarten, was wir selbst nicht bereit wären zu tun. Wäre ziemlich unfair, oder?

„Ich mag Menschen, die sagen, was sie denken. Aber noch mehr gefallen mir die, die auch tun, was sie sagen.“

Nun hast du viele neue Erkenntnisse über dich, deine Werte und deine Erwartungen und bist perfekt vorbereitet für ein „klärendes“ Gespräch. Aber das bringt dir nicht viel, wenn du beispielsweise deinen Partner mit der Frage, was er/sie von dir erwartet, unvorbereitet überrumpelst. Wie du selbst wahrscheinlich gemerkt hast, ist die Frage oft nicht einfach aus dem Stegreif zu beantworten. Daher würde ich empfehlen, dass alle Beteiligten diese Übungen für sich machen und dann nur vorbereitet in ein solches Gespräch gehen.

Fazit:
Wir wissen nicht was andere von uns erwarten, wenn wir sie nicht fragen oder sie uns das nicht offen mitteilen. Genauso können es andere nicht wirklich wissen, was wir von ihnen erwarten. Eine offene und ehrliche Kommunikation ist daher die Grundlage für ein besseres Miteinander ohne ständige gegenseitige Enttäuschungen. Verlange von anderen nicht etwas, das du nicht bereit bist selbst zu tun, zu sein oder zu geben.
„Behandle andere Menschen so, wie du selbst von ihnen behandelt werden möchtest!“

Liebe Grüße


Yvonne

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